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Die Schwarze Spinne
nach Jeremias Gotthelf

von Leopold Huber
ein musikalisches Theater

22. Juli - 22. August 2010, 20 Uhr

Seeburgpark Kreuzlingen im Maisfeld

Pressestimmen

 
Filmbericht auf Art-TV anschauen:

Juli 2010: http://www.art-tv.ch/6198-0-kreuzlingen--die-schwarze-spinne.html
 

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Thurgauer Zeitung vom 24.9007.2010 (PDF-Datei)  >>
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Südkurier vom 24.07.2010   von Maria Schorpp

Teufel von Gottes Gnaden
„Die schwarze Spinne“ des See-Burgtheaters krabbelt derzeit durchs Kreuzlinger Maisfeld

Hier trägt der Teufel rot. Manchmal sieht er auch rot. Wenn das Wort „Himmel“ fällt oder wenn ihm wieder eine unschuldige Seele durch die Lappen gegangen ist. Dann krümmt er sich zusammen vor Schmerz, und Laute steigen in Astrid Keller auf, die nicht von dieser Welt sind. In der gesitteten Wohlstandswelt, in der die Menschen gut genährt und gekleidet ihre Kinder per Taufe dem Guten überantworten, sind sie kaum zu vernehmen. Bekanntlich aber gibt es kein richtiges Leben im falschen.

Falsch sind in Jeremias Gotthelfs Geschichte „Die schwarze Spinne“ zunächst einmal die Machtverhältnisse. Hier der skrupellose Ausbeuter Hans von Stoffeln, dort das wehrlose Volk. Der pure Sadismus scheint ihn dazu getrieben zu haben, den Menschen die unbezwingbare Last aufzutragen, in einem Monat hundert ausgewachsene Buchen herbeizuschaffen und vor seinem Schloss zu pflanzen. In der Sommertheater-Inszenierung des See-Burgtheaters wird das Opfer-Täter-Schema radikal aufgebrochen. Christian Intorps Wüterich, der im römischen Streitwagen auf das Bühnenrund im Maisfeld rauscht, ist ein Getriebener – wie seine Opfer.

Einen kleinen Circus Maximus hat Leopold Huber von Peter Affentranger herstellen lassen, in dem das Publikum sich ergötzen kann an seiner eigenen Lust an der Grausamkeit. Zwei ragen aus diesem gewollten Täter-Opfer-Kuddelmuddel heraus: der Pfarrer zum einen, bei Erich Hufschmid wie ein agiler Fernsehpfaffe, der den Heutigen die erbaulich mahnende Geschichte von der Spinnen-Plage erzählt, die einst über die Menschen gekommen ist. Der Teufel zum anderen. Grün wie bei Gotthelf ist bei Astrid Keller nur die vergiftete Zunge. Sie trägt dieses verteufelte Rot – Zylinder, Frack, Hose aus rot glimmender Gummihaut. Ein kleiner Schmierenteufel von Gottes Gnaden. Die beiden großen Komödianten führen hier nicht umsonst gemeinsam durchs Programm.

Da ist also die geplagte Gemeinde, die sich in ihrer Not dem Satan ausliefert, der für seine Hilfe ein ungetauftes Kind verlangt. Dieser ungeheuerlichen Geschichte gemäß fährt das Theater neben der Seeburg in Kreuzlingen wieder einmal alles auf, was es (auch) berühmt gemacht hat: Zwei- und Vierrad knattern über den mit Holzspänen bedeckten Bühnenboden, ein leibhaftiger Hund bellt, ein Chor aus Laienspielern gibt das Volk, das Dusa Orchester liefert die schaurig befremdliche Tonkulisse aus Kuhglocken und Balkansound. Vor allem aber eine eigene, raffiniert zeitunabhängige dramatische Sicht auf die Novelle des Schweizer Schriftstellers.

Zu Christine: Bei Ingrid Lang ist die Ausländerin, die sich gegen die herrschenden Verhältnisse auflehnt und dabei selbst zur Überbringerin der Spinnenplage wird, ein Opferlamm von biblischer Unschuld. Diese Urgestalt ist bei der Schauspielerin in sehr guten Händen, sie macht statt einer großen eine menschliche Sache aus ihr. Dazu der besondere Humor des Regisseurs, der im Maisfeld einen wahren Sündenbock ans Kreuz nageln lässt. Dass nach der Pause die Vorstellung an einigen Stellen etwas zerfällt, lag bei der Premiere nicht am fast pausenlosen Regen, dem das gesamte Ensemble widerstand, sondern an etwas zu vielen Ideen. Was nur am Rande die Freude über dieses leidenschaftliche Freilufttheater schmälern kann.