Ensemble
Anne Bonny
Die gebürtige Tessinerin spielt, tanzt, singt – auch schwebend in der Luft, kopfüber oder beiläufig in fünf Sprachen. Sie liebt alle ihre Fähigkeiten gleichermaßen und kombiniert sie mühelos. 2022 war sie Hauptfigur beim «Cirque du Soleil» in Saudi-Arabien und interpretierte zuvor die Rolle der Roten Königin in «Alice! In Wonderland» (2021/2022) unter der Regie von LuSi in Mailand (Italien). Bis 2019 reiste sie mit der «Compagnia Finzi Pasca» um die Welt und trat auf renommierten Bühnen auf, darunter in Moskau, London, Paris, Rio de Janeiro, Buenos Aires, Hongkong, Seoul, Sydney, im BAM in New York, im Olympiastadion von Sochi 2014 sowie im Teatro San Carlo in Neapel. Seit 2020 ist Moira auch wieder in der Schweizer Theaterszene aktiv, u. a. in Produktionen wie «Die Schweizermacher», «Lysistrata», «Prometheus», «Brennende Geduld», «Die Katze auf dem heißen Blechdach», «Jukebox Heroes» und «Honig im Kopf». Im Tessin arbeitet sie zudem als Sprecherin in verschiedenen Hörspielen und Podcasts für die RSI/SRF und war in Produktionen wie «Qivittoq», «Don Perlimplin», «Uomo-Fiamma», «Honig im Kopf» und «Die drei Musketiere» (2025) zu erleben.
Interview mit Moira Albertalli
Du spielst dieses Jahr die Titelheldin Anne Bonny. Liebe auf den ersten Blick oder eine langsame Annäherung?
Liebe auf den ersten Blick!
Menschen, die den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen, Risiken einzugehen und sich selbst treu zu bleiben, haben mich schon immer tief berührt.
Anne Bonny folgt ihrer eigenen Natur – mit all ihren Stärken und Schwächen – und lässt sich nicht von den Erwartungen, Träumen oder Ängsten anderer bestimmen.
Genau diese Unabhängigkeit und innere Freiheit haben mich von Anfang an fasziniert.
Anne ist ein widerspenstiges Mädchen. Warst du selbst als Jugendliche eher zurückhaltend oder wild?
Wild im Sinne von entschlossen. Schon als Kind wusste ich genau, was ich wollte und habe widersprochen, wenn sich etwas für mich nicht richtig anfühlte.
Was früher als «stur» oder «zu temperamentvoll» galt, sehe ich heute auch als Stärke. Anne verkörpert diese Energie in ihrer extremsten Form.
Und auch mein Weg als Schauspielerin war eine kleine Form von Abenteuer: Als ich im Tessin aufgewachsen bin, kam kaum jemand auf die Idee, dass Theater überhaupt ein Beruf sein könnte.
Gibt es einen Lieblingsmoment im Stück?
Viele. Aber wenn ich einen Moment auswählen müsste, dann den im Krähennest, wenn Anne und Mary Read sich erkennen und verbünden. Die Szene ist wunderschön und ich liebe sie auch ganz egoistisch als Schauspielerin: So weit oben zu sitzen, die Luft zu spüren und auf die Bühne und das Publikum hinunterzublicken, vermittelt ein unglaubliches Gefühl von Freiheit.
Überhaupt mag ich an diesem Stück, dass so viele Kunstformen zusammenkommen – Schauspiel, Bühnenkampf, Luftakrobatik, Puppenspiel, Musik – das macht die Welt von Anne Bonny besonders lebendig.
